Aufregung um Wolf: Abschüsse lösen keine Probleme

Immer mehr Wölfe ziehen durch Österreich, Deutschland und die Schweiz. Die Aufregung ist groß, denn für die einen ist der Wolf ein Teil der Natur, für andere eine große Gefahr, da das geschützte Tier über Nutztiere herfällt. Wie gefährlich ist die Situation wirklich? Der Biologe Kurt Kotrschal, Autor des Buches “Der Wolf und wir”, gibt Antworten.

Herr Kotrschal, der Wolf ist Realität. Wie lautet Ihre Empfehlung für ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben von Mensch und Wolf?

Vor allem Ruhe bewahren und Hirn einschalten, denn der Wolf ist weder gefährlich, noch der “Totengräber der Almwirtschaft”. Sachlich bleiben ist wichtig. Abschuss ist weder legal, noch die Lösung des Problems mit den Weidetieren. Daher führt im Sinne eines konfliktarmen Zusammenlebens kein Weg am Herdenschutz vorbei. Da ist auch die Politik gefragt.

Jetzt in der Wander-und Weide-Saison wird über die Anbringung von “Achtung Wolf”-Tafeln diskutiert. Was bringt das?

Das frage ich mich auch. Warum stellt man keine “Achtung Wildschweine”-Tafeln auf? Denn die sind mit größerer Vorsicht zu genießen als die Wölfe. Wahrscheinlich will man bei den Leuten Ängste wecken und Stimmung gegen den Wolf machen. Wanderer müssen sich nicht fürchten.

Unser liebstes Haustier, der Hund, stammt ja gewissermaßen vom Wolf ab. Wieviel Wolf steckt noch in einem Hund?

Sehr viel. Hunde teilen mit Wölfen mehr als 95% ihrer Gene. Daher steckt selbst in Pudel, Dackel oder Chihuahua noch jede Menge Wolf. Wie wir in den letzten 15 Jahren herausfanden, gibt es kleine, aber wichtige Unterschiede zwischen Wölfen und ihren domestizierten Verwandten. So ist die kooperative Natur der Hunde Wolfserbe, ihre Freude an der Zusammenarbeit wurde aber im Verlauf der Domestikation an die Bedürfnisse der Menschen angepasst.

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