Die Frage nach der Qualität und woran wir sie erkennen

Was beutet eigentlich gute Qualität? Woran erkennen wir sie? Am Preis? An der Herkunft? Und wo ist sie zu finden? Und welche Merkmale machen den kleinen, aber feinen Unterschied bei den Dingen unseres Alltags? Dirk Hohnsträter ist Kulturwissenschaftler und Experte für Konsumkultur. In seinem Buch spricht er über Qualitätsmerkmale, die Kunst des Unterscheidens, vom Verhältnis von Preis und Wert, von der Zeit, die es braucht, gute Dinge entstehen zu lassen und davon, wenn Perfektionismus zu viel des Guten wird.


Wie kamen Sie, Herr Hohnsträter, auf die Idee, über das Thema Qualität zu schreiben?

Die Idee, ein Buch über „Qualität“ zu schreiben, hatte ich bereits vor gut zehn Jahren. Zunächst freilich handelte es sich um wenig mehr als eine vage Intuition. Ich war zwar angetan von gut gemachten Dingen, aber kaum qualifiziert, über sie zu schreiben. Das änderte sich, als ich die Forschungsstelle Konsumkultur an der Universität Hildesheim aufbaute und mich als Wissenschaftler intensiv mit der materiellen Kultur beschäftigte. Zugleich habe ich mich auf eine Entdeckungsreise in die reichhaltige Welt der neuen Qualitätswirtschaft begeben und in aller Welt mit Menschen gesprochen, bei deren Arbeit die Qualität im Vordergrund steht. Das Wissen und die Leidenschaft dieser Könnerinnen und Könner, seien es Winzer, Produktdesigner oder Händler, hat viel zu meinem Buch beigetragen. 

Worum geht es bei ‚Qualität‘ eigentlich genau?

In meinem Buch geht es darum, sich im Bereich der Alltagskultur neuer Möglichkeiten bewusst zu werden. Wie wir uns ernähren, was wir anziehen und wie wir wohnen: Durch die Wahl von Alltagsgegenständen gestalten wir unser Leben. Wer Wert auf Qualität legt, muss sich auf die Dinge einlassen, seine Sinne schulen und Unterschieden nachspüren. Das Buch räumt auf mit Vorurteilen zum Thema Qualität. Es hilft dabei, Dinge intensiver zu genießen und zeigt, wie man durch kluge Wahl zu einer besseren Einrichtung der Welt beitragen kann. 

Letztlich steht die Frage im Zentrum, was uns wirklich wichtig ist. Daraus folgen dann die Themen, mit denen ich mich in meinem Buch auseinandersetze: Woran erkennen wir, ob etwas gut gemacht ist? Muss man sich Qualität leisten können oder findet sie sich gerade in Bereichen, die man für Geld nicht kaufen kann? Was kann man tun, wenn einem die Zeit zur intensiven Auseinandersetzung fehlt? Und macht das Genießen überhaupt noch Spaß, wenn man sich allzu gründlich in die Dinge des Alltags reinkniet? 

Was war die größte Herausforderung bei der Entstehung des Buches?

Das Buch sollte meine Begeisterung transportieren, aber nicht in ein werbliches Schreiben abgleiten. Es sollte ein wissenschaftlich seriöses Sachbuch sein, aber auch praktische Vorgehensweisen für den Alltag an die Hand geben. Zudem wusste ich aus der Geschichte der Konsumkultur, dass Initiativen zur sogenannten Geschmackserziehung immer wieder daran gescheitert waren, dass Menschen sich ungern bevormunden lassen, vor allem nicht im Alltagsleben. Zu meinen größten Schwierigkeiten beim Konzipieren des Buches zählten also weniger die Recherche oder die Struktur als das Finden einer Schreibweise. Schreiben bedeutet meines Erachtens vor allem eines: Klarheit zu gewinnen über das, was man sagen will. Mein Problem beim Verfassen des Qualitätsbuches war sicherlich kein Mangel an Material, wenngleich im Laufe der Monate Lücken geschlossen und Neuerscheinungen berücksichtigt werden mussten. Die eigentliche Herausforderung bestand darin, die sich beim Schreiben verfertigenden Gedanken stimmig zu gliedern, sie gut zu rhythmisieren und den passenden Ton zu finden.

Inwiefern spiegelt sich jene Qualität, die im Zentrum des Buches steht, auch am Buch selbst wider?

Der Brandstätter Verlag und ich teilten von Anfang an die Ansicht, dass ein Buch über Qualität selbst ein hochwertiges Objekt sein sollte. Zum meiner Freude war der Verlag bereit, sich entsprechend zu engagieren. Die Agentur Bleed, zu deren Kunden auch Hermès, Zaha Hadid und die Wiener Akademie der feinen Künste zählen, entwarf das Cover und kümmerte sich um die Buchgestaltung. Der Satz erfolgte in den bewährten Schriftarten Garamond und Helvetica, aufgelockert durch farblich herausgestellte Zitate und an materielle Dinge angelehnte, grafische Elemente. Ein professionelles Lektorat und Korrektorat waren selbstverständlich. Das Buch erscheint als Hardcover mit einem Einband aus Ganzleinen. Gedruckt wird auf PEFC©­zertifiziertem Naturpapier, in einer europäischen Druckerei, die auf ressourcen­schonende und schadstofffreie Produk­tionsweisen achtet. Besonders erfreut hat mich, dass der Verlag bei einer Wiener Letterpress Karten im Buchdesign anfertigen lässt: gedruckt auf einer Heidelberger Presse von 1964.

Welche Punkte spielen bei der Vermarktung des Buches eine große Rolle?

Während ich noch am Buch schrieb, begannen bereits die ersten Schritte zu seiner Vermarktung. Ideen wurden gesammelt, eine Strategie besprochen, Instrumente festgelegt. Schon im März kam die Verlagsvorschau heraus, die dem Buchhandel das Herbstprogramm vorstellt. Dafür (und natürlich für die Website) musste ein Text formuliert werden, der die Alleinstellung des Buches auf den Punkt bringt. Verkaufsargumente wurden in der unvermeidlichen Form dreier Bulletpoints zusammengefasst, eine Autorenvita erstellt. Weitere Texte folgten: der Klappentext, der Text für die Pressemitteilung. Parallel zum Schreiben entstanden auch die Autorenfotos, für die der Verlag die Fotografin Julia Steinigeweg gewinnen konnte. Ich stellte eine Playlist zum Buch zusammen, nahm ein Kurzvideo auf, bot Interviews und Gastbeiträge an. Es gab nun Hashtags zu meinem Buch (#qualität! #dirkhohnsträter #diedingedeslebens), und erste Pressetermine wurden vereinbart. Seither vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht in irgendeiner Form damit beschäftigt bin, auf das Buch aufmerksam zu machen.


“Es riecht nach Leder, Klebstoff und Zigarettenrauch. Durch dicke Glasbausteine fällt das Spätnachmittagslicht auf eine Wand voller Werkzeuge, während in hölzernen Schubladen Schmirgelpapier, Nieten und Nägel lagern. Auf dem großen Arbeitstisch in der Mitte des Raumes türmen sich Stoffballen, die vermessen und mit einer schweren Schere zugeschnitten werden. Bald darauf übertönt das Rattern einer Nähmaschine die Musik aus dem Kofferradio. Schritt für Schritt verwandelt sich ein durchgesessenes Sofa wieder in ein ansehnliches Sitzmöbel, erstrahlen die Polster eines Oldtimers in dunkelrotem Leder. So habe ich sie in Erinnerung: die Werkstatt meines Vaters. Im Rückblick kommt es mir vor, als sei ich dem Thema dieses Buches dort zum ersten Mal begegnet. Denn in seinem kleinen Raumausstattungsbetrieb ging es darum, sich auf eine Sache zu verstehen, mit Sorgfalt an eine Aufgabe heranzugehen und seine Arbeit gut zu machen.”

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