100 Jahre Salzburger Festspiele: Der Theatermagier Max Reinhardt

Es war der 22. August 1920: An diesem Tag fand am Salzburger Domplatz erstmals die Inszenierung von "Jedermann" statt, es war die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele. Regie führte der Ausnahmekünstler Max Reinhardt. Im 100. Jubeljahr erscheint nun eine bilderreiche Biografie ihres Gründervaters. Autorin Sibylle Zehle ist dafür in die Welt Reinhardts eingetaucht.

Frau Zehle, was ist das Faszinierende an der Person Max Reinhardt für Sie?

Er war einfach ein spannender Mann, voller Gegensätze. Auf der einen Seite war er ein Künstler mit kühner Visionen, auf der anderen engagierte sich für das kleinste Detail. Er war der Mitbegründer des modernen Regietheaters, aber ihn interessierte ebenso die Form eines Souffleurkastens. Helene Thimig, seine Lebensgefährtin, nannte ihn einen „genialen Pedanten.“ 

Und er war ein sinnlicher Genießer – und doch bis in die Fußspitzen hinein diszipliniert. In den wilden Berliner Jahren, alle die Künstler um ihn herum Koks schnupften und sich Morphium spritzten, war seine größte Sünde ein Festessen im Gourmet-Restaurant, er kämpfte gegen Übergewicht.  Am allermeisten aber beeindruckt mich wohl Reinhardts Menschlichkeit, seine Großzügigkeit, sein Stilgefühl – und sein unbändiger Humor.

Sind Sie während der Recherchearbeiten auf viel Überraschendes gestoßen?

Ja, da war vieles. Ich hatte ihn immer eng mit Schloss Leopoldskron verbunden. Tatsächlich residierte er dort gerade mal vier, fünf Wochen im Jahr. Sein Leben war noch viel unruhiger als gedacht. Erstaunt hat mich die innige Verbindung zu seinem Bruder, ohne dessen Unterstützung das Reinhardtsche Theaterimperium nicht denkbar gewesen wäre, und überrascht hat die Bedeutung, die Helene Thimig für ihn hatte. Sie gab ihm Sicherheit, sie war sein Spiegel, sein Halt und Gegenüber. Aber die allergrößte Überraschung war Reinhardts Scheu. Der umjubelte glamouröse Theaterstar war ein schüchterner und eigentlich zutiefst einsamer Mensch.

Die Salzburger Festspiele jähren sich dieses Jahr zum 100. Mal – wird der "Jedermann" jemals an Reiz verlieren?

Solange es den Domplatz gibt, die Festung Hohensalzburg, das Häusergewirr in den Gassen, die Brücken und die  Berge rundum … werden die „Jedermann“-Rufe von den Türmen nicht verstummen. Es ist einfach ein Schauplatz wie er auf der Welt nicht noch einmal zu finden ist.   

 
Fotocredits: Österreichisches Theatermuseum

 

Max Reinhardt. Ein Leben als Festspiel

Max Reinhardt

Max Reinhardt. Life As A Festival

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