Fake News, Verschwörungstheorien: Was können wir noch glauben? Expertin Ingrid Brodnig gibt Antworten

Ingrid Brodnig, Digitalexpertin und Journalistin, beschäftigt sich schon lange mit Fake News und Verschwörungsmythen. In ihrem neuen Buch “Einspruch!”, das innerhalb weniger Tage auf Platz 1 der Bestsellerliste Sachbücher kletterte, gibt sie Tipps wie man seriöse Quellen erkennt und was beim Diskutieren über kontroverse Themen zu beachten ist.

Täglich kommen angesichts der sich nicht entspannenden Pandemie-Lage neue Verschwörungsmeldungen und Fake News hinzu. Wie lässt sich da noch der Überblick behalten?

Ich würde zwei Dinge empfehlen: Erstens funktionieren viele Falschmeldungen bis Verschwörungserzählungen auf der emotionalen Ebene. Man liest etwas, das einem in Angst oder Wut versetzt – das sind aktivierende Emotionen, die Viralität begünstigen. Das heißt, die Chance wird höher, dass Leute diese Meldung Bekannten weiterleiten. Mein erster Tipp ist also: Wenn ich etwas lese und es regt mich ungeheuer auf oder ich fühle mich stark bestätigt, dann ist dies der Moment, in dem ich vorsichtig werden sollte: Zum Beispiel die Quelle anschauen und prüfen, ist die seriös. Der zweite Tipp betrifft die Frage: Wie stelle ich fest, ob etwas seriös ist? Da empfiehlt sich, die Quelle einer Aussage näher anzusehen. Zum Beispiel gibt es einzelne Personen, die zwar durchaus aus der Medizin kommen, die aber vermehrt nachweisbar falsche oder tendenziöse Behauptungen verbreiten. Eine simple Methode ist, auf Google den Namen der Person und das Wort “Faktencheck” einzugeben. Man kann auch die konkrete Behauptung inklusive dem Wort “Faktencheck” googeln: Zum Beispiel kursiert derzeit das substanzlose Gerücht, die Corona-Impfung könnte Menschen unfruchtbar machen. Hier kann man googeln “Coronaimpfung Fruchtbarkeit Faktencheck” und man wird seriöse Quellen finden. Im Buch gehe ich noch genauer darauf ein, wie man seriöse und unseriöse Behauptungen erkennen kann. Wichtig ist vor allem: Sich nicht davon leiten zu lassen, ob eine Meldung gut zu den eigenen Wünschen oder Sorgen passt, sondern gerade wenn etwas besonders brisant klingt, umso skeptischer werden.

Autorin Ingrid Brodnig, fotografiert von Gianmaria Gava

In deinem Buch gibst du Tipps, was u.a. bei hochemotionalen Diskussionen zu beachten ist, bzw. hilft. Gelingt es dir selber immer, einen kühlen Kopf zu bewahren?

Nein, auch ich ärgere mich oft über manche Behauptungen – zum Beispiel, wenn suggeriert wird, die ganze Wissenschaft sei bezahlt und Teil einer bösen Verschwörung. Ich halte das für ärgerlich, wie anderen Menschen einfach unterstellt wird, sie würden anderen bewusst Böses antun. Aber ich glaube, beim Diskutieren ist es manchmal wichtig, sich nicht von der Emotion leiten zu lassen. Die Gefahr ist nämlich oft, dass Diskussionen rasch eskalieren – auch weil man selbst fassungslos ist, was einem entgegengeworfen wird. Aber wenn ich jemanden argumentativ erreichen will, dann kann rhetorische Abrüstung hilfreich sein.

Wie kann ich verständlich machen, dass ein Verschwörungsmythos unlogisch ist?

Ein Kniff, den man anwenden kann, ist mal nachzufragen: “Moment, du sagst, alle Forschenden seien bezahlt. Woher hast du diese Behauptung?” Das Nachfragen hat zwei große Vorteile: Man kann vorfühlen, wie sehr jemand von so einer Vorstellung schon überzeugt ist, auch welche Quellen die Person liest. Beim Diskutieren macht es einen großen Unterschied, wie sehr jemand schon eingenommen ist von einer Idee oder diese lediglich interessant findet. Und zweitens kann man mit respektvollem Nachfragen auch darauf abzielen, die Unstimmigkeiten einer Erzählung aufzuzeigen. Ich kann zum Beispiel fragen: “Warum vertraust du gerade dieser Quelle?” Oder: “Kannst du kurz erklären, warum du genau glaubst, dass…” Mit Fragen kann man versuchen, eine Person dazu zu bringen, ihr eigenes Denken etwas näher zu inspizieren. Dafür braucht man natürlich ein Gegenüber, das noch bereit ist, sich solchen Fragen zu stellen. Aber die Frage ist ein mächtiges rhetorisches Instrument: Wer fragt, lenkt oft das Gespräch.

Die erste Auflage von “Einspruch!” war bereits nach kürzester Zeit verkauft. Ein unglaublicher Erfolg! Die Druckmaschinen laufen bereits auf Hochtouren und ab dem 12. Februar sind die Bücher wieder erhältlich.

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