Thomas Bernhard

Thomas Bernhard - Hab und Gut

In Österreichs literarischem Energiefeld der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Thomas Bernhard die massivste Störung von nie versiegender Faszination. Er gehörte zu keinem Klub, keiner Gruppe, keinem Zirkel, keiner Glaubensrichtung, keiner Seilschaft, keiner wie immer gearteten künstlerischen Organisation. Er gehörte stets, nur aufs Äußerste, zu sich selbst und konnte daher mit einer Rücksichtslosigkeit agieren, die zumeist keine Gefangenen zuließ. Mit der Sprachmachete schlug er seinen brachialen Wahrheiten, genialen Lästerungen, grotesken Überhöhungen, anrührenden Liebesversuchen und anderen Fantasie-Eruptionen den Weg in die bleibende Gültigkeit frei. Bernhard war auch ein Lachfallensteller, ein hinterfotziger Watschenmeister und Erregungshochleistungsvirtuose. Alles in allem: ein Solitär, wie man ihn nur einmal alle unheiligen Zeiten findet.

André Heller

 

Welches Verhältnis hatte Thomas Bernhard, der ewige Provokateur und international gefeierte Schriftsteller, zu Fragen der Mode und des Stils? Wie hat er gewohnt, womit hat er sich umgeben? Wie war seine Schallplattensammlung? Welche Bücher wählte er für seine Bibliothek aus?
Tief beeindruckt von diesen durchkomponierten Häusern, versammelt André Heller namhafte Experten (Dietmar Steiner, Hertha Hurnaus, Ronald Pohl, Christian Schachinger, Barbara Vinken, Peter Fabjan), die Bernhards Leidenschaft zur Inszenierung nachspüren.

 

"Ich hab‘ Bücher eigentlich immer gehaßt als Kind, wie die Pest, weil sehr viele Bücher da waren. Mein Großvater war ja Schriftsteller, und wenn man als Kind das Gefühl hat, man muß etwas, man sollte, dann tut man’s ja nicht, da sträubt man sich dagegen. Ich hab‘ sehr spät überhaupt zu lesen angefangen."

aus Sepp Dreissinger (Hg.), Von einer Katastrophe in die andere, 13 Gespräche mit Thomas Bernhard, Bibliothek der Provinz: Weitra. 1992. S. 25/26 (1967)

Thomas Bernhard - Hab & Gut

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